Tokyo Elektro.
Wir sind hier. In Tokyo. Und noch am Leben. Das ist nicht selbstverständlich. Denn nach den ersten Tagen im Land der Krummbeiner legen wir alle Hände dafür ins Feuer, dass das Wort Anschlag japanischer Herkunft ist. Anders ist der Druck, der hier auf die Sinne ausgeübt wird, nicht zu erklären.
Man darf kaum blinzeln, so sehr will die Stadt hier durch die Augen in einen hinein. Pro Sekunde wollen so viele Bilder verarbeitet werden, dass die Netzhaut Muskelkater bekommt. Alles ist Blitz und Bling und schreit nach Aufmerksamkeit. Plakate sind als langweilig und altmodisch verschrien und wurden daher flächendeckend durch Bildschirme und Superscreens ersetzt. Mehr Farben mehr Bewegung mehr Licht, bis es schwindelt.
Und weil Japaner es noch genauer nehmen als Deutsche, stellen sie doppelt sicher, dass die Aufmerksamkeits-Attacke funktioniert. Sie legen über alle Bilder eine Tonspur, die ihre Botschaften per Lautsprecher über alle Kreuzungen und Straßen verteilt. Selbst ohne einen Menschen drin würde die Stadt permanent mit einem sprechen, einem etwas verkaufen. Alles kommuniziert permanent. Bis hin zum LKW, der an der Kreuzung nicht nur blinkt, sondern einem per Lautsprecherdurchsage mitteilt, dass er gleich abzubiegen gedenkt. Vermutlich ist das Wort Stromrechnung hier einfach unbekannt.
Was zur Erholung bleibt, ist der beste aller Rückzugsräume. Das Klo.
Allerdings, auch das will in Japan bedient und beachtet werden. Einfach mal so hinsetzen und ausruhen ist nicht. Die Möglichkeiten und Entscheidungen fangen lange vor der Wahl kleine Spülung große Spülung an. Stimmt die Temperatur der Klobrille, oder darf es etwas wärmer sein? Wie warm soll das Wasser zum Reinigen des Hinterns sein? Kleiner harter oder lieber breiter weicher Strahl? Wo genau soll er hinzielen? Und darf er vielleicht pulsieren oder besser oszillieren? Vorm Aufstehen vielleicht noch ein trocknender Luftzug gefällig? Ach, und keine Sorge wegen des Tröpfchens auf der Brille. Reinigung nach dem Geschäft ist natürlich inklusive.
Alles Elektro in Tokyo.



March 21st, 2007 at 9:41
“Einspruch, Euer Ehren!”
Das Wort Stromrechnung ist hier sehr wohl bekannt :-)
Schön, dass Ihr da seid.
March 21st, 2007 at 10:12
Gibt es da auch verschiedene Duftnoten für den Popo? Könnt ihr mir da mal ein Prospekt mitbringen und bitte mal eine geile Mangapostkarte schicken? Adresse findet ihr auf meiner Website.