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Vera am Mittag.

‘das hab’ ich noch nie jemandem erzaehlt.’
Solche Saetze bekommt man im echten Leben nie zu hoeren. Keiner redet so. Niemand macht solche Bekenntnisse. Im echten Leben. So was passiert nur im Fernsehen. In Talkshows. Da hoert ja keiner zu.
Wie bei Blogs. Die sind ja kaum was anderes als das digitale Vera am Mittag. Hintergrundrauschen im Web.
Warum also nicht einfach gestehen?

supersoon und ich, wir haben Durchfall.
Hatten, vielleicht. So ganz ist das noch nicht raus.
Durchfall jedenfalls ist entwuerdigend.
Staendig eine Rolle Klopapier mit sich tragen ist kein Spass. Auf der Strasse mit gekniffenen Hinterbacken umher laufen, weil der leiseste Wind boese enden koennte, ist eine Einschraenkung des Rechts auf freie Meinungsaeusserung. Durch die Pappwand zwischen Klo und Hotelzimmer lautstark intime Geraeusche miteinander teilen, bringt einander nahe - untergraebt jedoch die Menschenwuerde. Und nachts in einen harmlosen Traum eingebettet endlich einen kleinen fahren zu lassen, nur um kurz darauf erschrocken festzustellen, dass sich der getrauemte heisse Wind in einer feuchten Pfuetze manisfestiert hat… Durchfall ist entwuerdigend.

Und dieses Posting ohne die Erfindung der Daily Talks nicht denkbar.

Super Deluxe Double?

Volga II. Code der Stunde und Synonym fuer die Hoffnung.
Hoffnung, dass doch nicht alles dem Verderben anheim fallen wird. Obwohl es am Anfang nicht unbedingt danach aussah.
Zum Aufspueren von Super Deluxe Double zumindest haetten wir den Herrn vom Londoner Flughafen mitnehmen sollen, der - abseits aller Verkaufsshops - durch seine zeitlose Sherlock Holmes Muetze auffiel. In Mumbai angekommen war von dem Zimmer keine Spur mehr uebrig. Kein Pickup am Flughafen, wie zugesagt. Kein Mensch, der im Hotel von einer Reservierung wusste. 01:30 Flughafen Mumbai.

‘no room available.’ ‘no sir, we don’t have a reservation for mr. petsch.’ Ungeklaert bislang, wie nun die Strafe ausfallen wird, die fuer Nichterscheinen nach Bestellung des Zimmers noch per Mail angedroht wurde.

Ein dicklicher Mr. Tourism Supervisor - einer dieser Menschen, denen man sich an fremden Flughaefen nie nie anvertrauen sollte; aber Energie ist schliesslich auch endlich - hat danach zunaechst alles im Griff. Ein Zimmer, ein Taxi, kein Ding. Klar, hier kann jeder mit allem helfen.
Wir fahren ins Hotel Imperial Palace. Ah.
Fuer noch mehr Geld als vorher. Aber schliesslich ist Messe. Alles voll. Sagt Mr. Tourism Supervisor.

Im Palace warten 4 Bedienstete auf Trinkgeld. Die Waende im Zimmer warten darauf, vom Schimmelpilz befreit zu werden. Die Zwischenraeume zwischen Fenster und Brett warten darauf, dass der Muell von ihn genommen wird. Die Bettwaesche wartet auf den Wechsel.
Aber fuer - das wird jetzt aber nicht verraten, sonst gaeben wir uns der Laecherlichkeit preis - 5.400 Rupien kann man schliesslich nicht alles haben.
Ausser Anrufe auf dem Zimmertelefon. Ab 8 Uhr. Wohin das Fruehstueck? Was haben sie vor? Schnell, heute schliesst alles frueh? Ich bin der Manager. Wir koennen Ihnen gerne eine Reise nach Goa organisieren.
Alles. Was man nie wollte.

Die Flucht gelingt ueber die Brueder Rajesh und Rakesh Kangada. ‘assistance for following services: air bookings, hotel booking, international airport to domestic airport car service / assistance’ Bei Not ueber +919829434025 zu erreichen.

Zwei Fahrten spaeter im selbst gewaehlten Volga II. Kein Schimmel. Keine 4 Bediensteten. Beginn einer Aussoehnung mit Land und Leuten.
Von jetzt an aufwaerts.