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Vera am Mittag.

‘das hab’ ich noch nie jemandem erzaehlt.’
Solche Saetze bekommt man im echten Leben nie zu hoeren. Keiner redet so. Niemand macht solche Bekenntnisse. Im echten Leben. So was passiert nur im Fernsehen. In Talkshows. Da hoert ja keiner zu.
Wie bei Blogs. Die sind ja kaum was anderes als das digitale Vera am Mittag. Hintergrundrauschen im Web.
Warum also nicht einfach gestehen?

supersoon und ich, wir haben Durchfall.
Hatten, vielleicht. So ganz ist das noch nicht raus.
Durchfall jedenfalls ist entwuerdigend.
Staendig eine Rolle Klopapier mit sich tragen ist kein Spass. Auf der Strasse mit gekniffenen Hinterbacken umher laufen, weil der leiseste Wind boese enden koennte, ist eine Einschraenkung des Rechts auf freie Meinungsaeusserung. Durch die Pappwand zwischen Klo und Hotelzimmer lautstark intime Geraeusche miteinander teilen, bringt einander nahe - untergraebt jedoch die Menschenwuerde. Und nachts in einen harmlosen Traum eingebettet endlich einen kleinen fahren zu lassen, nur um kurz darauf erschrocken festzustellen, dass sich der getrauemte heisse Wind in einer feuchten Pfuetze manisfestiert hat… Durchfall ist entwuerdigend.

Und dieses Posting ohne die Erfindung der Daily Talks nicht denkbar.

Bollywood!

‘do you guys want to…?’ - Arm am Ellenbogen aufwaerts abwinkeln, Fingerspitzen auf Schulterhoehe bringen, Handflaeche nach aussen - ‘no thanks.’

Im Ablehnen selbst unfertig ausgesprochener Angebote wird man schnell Meister. Aus purer Not. Mehr als drei Teppichlaeden von irgendwelchen Onkels und sechs Tourismusinformationen pro Tag kann man guten Gewissens nicht besuchen. Die Schuhe mehr als vier mal taeglich zu putzen ist Unfug. Und - leider - die Taschen sind nicht gross genug, um die Rupies fuer alle verlorenen Kinder Indiens zu tragen.

Nur ganz selten lassen sich durch aufmerksames Verfolgen der meist von schraeg hinten geaeusserten Offerten neue Erfahrungen sammeln.
Der Beruf und das Angebot des professionellen Ohrenreinigers zum Beispiel lassen sich dem ahnungslosen Auslaender schwer in wenigen Worten vermitteln. Da sollte man dem mit dem Finger fuchtelnden Mann schon ein bisschen mehr Zeit geben.
Oder auch dem Herrn, der da oben zu sprechen begann, bevor er unterbrochen wurde. War zum Glueck hartnaeckig. Also noch mal:

Fruehabends auf der Strasse in Mumbai.
‘do you guys want to….?’ ‘no thanks.’
’sorry, do you guys want to be extras for bolly? i pay you 500 rupies.’
Wir? Stars? Also fast. Statisten im neuesten Bollywood-Hit? Immer. Wann, wie, wo? Ach morgen, ja klar. Ausser…. da geht ja der Flug nach Delhi.
Beinah. Beinah beruehmt. Wenn das nicht besser ist, als eine Nacht im schlechten Hotel.