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Lass uns das lieber kompliziert machen.

Vorab. Wir haben aus gewöhnlich gut informierter und interessierter Quelle erfahren, dass das Bild dieses Landes Japan, das wir hier transportieren, schief ist. Das ist vermutlich richtig. Und ganz gerade werden wir es mangels Aufassungsgabe nicht rücken können. Doch bevor wir den Menschen unrechter tun als unbedingt nötig: Zumindest die Tokyoter und ihre Stadt sind herausragender Spaß. Es fiele uns ab heute wirklich kein einziger Grund mehr ein, warum jemand zum Shopping nach New York fliegen wollte. Alle Einkaufsgelegenheiten dieser Stadt passen hier in zwei bis drei Vororte. Und vermutlich aus reiner Freundlichkeit diesen ganzen Geschäften gegenüber kaufen die Tokyoter permanent ein, was wiederum zu der höchsten Dichte an gut und äußerst stilbewusst gekleideten Menschen pro Quadratmeter führt, die wir je gesehen haben. Außerdem bauen sie viele schöne Häuser. Viel mehr schöne Häuser als bei uns. Diese und weitere kleine Annehmlichkeiten bürgen jederzeit für einen schönen Aufenthalt.
Das klingt vielleicht nach einem recht oberflächlichen Urteil. Aber es ist auch wirklich nicht leicht, unter die Oberfläche zu kommen, wenn man mit den Menschen nicht sprechen kann.
Für einen weiteren Eindruck daher schnell weiter zur heutigen Lästerei - der letzten für diese Reise, wenn wir den Flieger nicht verschlafen.

Es ist nicht so, dass die Japaner nur anderen Völkern Probleme bereiten, mit ihnen reibungslos zu interagieren. Auch unter sich belassen haben sie ein erstaunliches Talent, die Dinge möglichst nicht so einfach wie möglich zu machen.
So ist es sogar gewieften Taxifahrern nahezu unmöglich, ohne einen passenden Kartenausschnitt ohne weiteres ein Haus in Tokyo zu finden. Zwar haben die Straßen Namen. Aber die werden nur in Strapenkarten genutzt, aber in der Adresse eines Hauses nicht erwähnt. Dort weist nur eine Zahlenkolonne aus Bezirk, Block und Hausnummer den Standort aus. Diese Ortsangaben dürfen dann fröhlich übersetzt werden. Und hat man die Straße, genügt es nicht, sie einfach auf- oder absteigend nach Hausnummern abzusuchen, da die Nummern vielleicht, aber nicht unbedingt einer einfach ersichtlichen Reihenfolge gehorchen. Manchmal sind sie auch nach Baujahr des Hauses, dem zuletzt eingezogenen Mieter oder sonstigem sortiert.

Einen weiteren hübschen Umweg machen die Japaner beim Glücksspiel. Kleine Kugeln mit Aussicht auf großen Gewinn durch Pachinko-Automaten zu jagen, zählt zu den hiesigen Lieblingsbeschäftigungen. Leider ist es verboten, um Geld zu spielen. Schade. Also wird um kleine Metallkugeln gespielt. Metallkugeln gegen Geld tauschen ist schließlich nicht verboten.

Wer schon mal versucht hat, schnell eine U-Bahn Station von einer zur anderen Seite zu durchqueren, ist mit einer anderen kleinen Hinterlist vertraut. Weil die in den Stationen ansässigen Shops ja auch Kunden brauchen, sind Schilder mit dem Wort ‘Ausgang’ spärlich gesät. Findet man ein solches Schild mit englischer Beschriftung tatsächlich, fehlt diese mit Sicherheit auf den folgenden drei Schildern. Und um die Fußgänger in einen Kreisverkehr zu zwingen, wird ‘Ausgang’ in ‘Eingang’ umbenannt, noch bevor man das Gebäude verlassen hat. Es braucht seine Zeit, bis man den Mut gefasst hat, durch einen Eingang hinaus zu gehen.

Aber auch auf diesem Gebiet liegt nicht alles im Argen. Manchmal geben sich die Japaner wirklich Mühe, Ausländern das Leben zu erleichtern. So zum Beispiel auf der Insel Naoshima, dessen Faltblatt sicherheitshalber und beflissentlich informiert:
‘language copes: there are not many english speakers on naoshima. therefore recommended for english speaking visitors take the following precautions: travel with a japanese speaker. ask travel agent to make reservation for you.’
Nach ausgiebiger Nutzung von Händen und Füßen und vielen hilflosen Lächlern wünschten wir nur, das Faltblatt mit dieser hilfreichen Information würde nicht nur auf der Insel selbst verteilt, die man erst nach einer halbstündigen Fährfahrt erreicht.

Boy vs. Girl in Japan.

Als Mädchen oder auch als erwachsene Version eines solchen würd’ ich nicht nach Tokyo fahren. Gibt wirklich nicht viel zu erwarten.
Die Japaner anderen Geschlechts sind größtenteils über Gebühr klein, sodass man sich zum Sprechen bücken muss. Einige haben tatsächlich krumme Beine, was auch nicht zur Attraktivitätssteigerung beiträgt. Um diese Defizite wett zu machen, greifen manche zu bis zu drei Dosen Haarspray pro Tag, um hinsichtlich des Kopfschmucks sogar die Italiener zu übertreffen. Geraten die Jungs aus dem Haarspray-Alter heraus, fangen sie als ihre Interpretation eines Mannes an, breitbeinig sitzend grimmig zu gucken und mit einer künstlich vertieften Stimme zu sprechen, als hätten sie ein leeres Faß Whiskey geschluckt.
Diese Aussicht sollte keine Reise lohnen.

Jungs und groß gewordene hingegen sollten durchaus in Betracht ziehen, zumindest ihren Zweitwohnsitz nach Tokyo zu verlegen. Denn die Frauen sind rundherum und herausragend niedlich. Beinahe alle ziehen ihre Strümpfe bis über die Knie nach oben. Vermutlich weil die Röcke so kurz sind, dass es sie sonst wirklich friert. Und auch wenn die Hälfte fast von ihnen herunterfällt, versuchen zumindest viele, mit hohen Absätzen ein paar Zentimeter Höhe herauszuschlagen. Und egal ob mit Absatz oder ohne, die Fußspitzen werden beim Gehen nach innen gekehrt. Ruiniert zwar die Gelenke, sieht aber viel süßer aus als gerade laufen. Im Gegensatz zu den Männern reden die Frauen mit künstlich hoher Stimme. Macht sie noch süßer.
Die Vollendung japanischer Weiblichkeit schließlich sind die Damen, die sich voll und ganz ihrer Berufung hingeben und als Fleisch gewordenes Porzellan inklusive Vollaustattung mit rosa oder hellblau tuffendem Rockschoß, Pumps, Täschchen und farblich passendem Reifchen im Haar nach Beachtung heischen.
Klingt auch nicht verlockender? Stimmt. Aber Männer sind hinsichtlich ihrer Beigleitung vermutlich einfach leidensfähiger.