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Vom Himmel gefallen.

Im einem kleinen Paralleluniversum ist auch Freund Oezguer da draussen unterwegs. Und der erlebt andauernd die tollsten Dinge, waehrend wir hier durch die Einsamkeit der Nebensaison gleiten. Um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass wir bloss rumluschen, hat sich herr_schaft selbstlos bereit erklaert, vom Himmel zu fallen.
Zugegeben, ein vollwertiger Moellemann ist nicht draus geworden, aber zwei Sekunden Herzstillstand war es schon wert, in 4.000 Metern Hoehe ueber dem Meer vor Broome aus dem Flugzeug zu fallen. Mit einem Menschen auf dem Ruecken, der wiederum ein angeblich rettendes Stueck Stoff auf dem Ruecken hat.

Die Haelfte des Vergnuegens liegt bereits im Aufstieg. Da Australier das Thema Energiesparen sehr ernst nehmen, wird das kleinste moegliche Fluggeraet gewaehlt, in das neben dem Piloten, dem Mann mit dem Schirm und dem selbstmordgefaehrten Gast gerade noch eine Katze passen wuerde. Aber die Aussicht ist phaenomenal. Sie wird grandios und beaengstigend, wenn der Mann mit dem Schirm auf dem Ruecken einen bittet, sich doch bitte aus der offenen Tuer zu lehnen, damit man UUUUooooaaaahh ploetzlich taumelnd nach unten und schraeg wie quer uebereinander taumelnd durch die Luft faellt. Schnell faellt. Und sich dreht. Und das eigene Grinsen hinter den Ohren am Hinterkopf wieder zusammenschlagen fuehlt.
Dann irgendwann und viel zu frueh macht es so etwas wie Tschack, Rack, Pfflloouuuhp, man wird langsamer und haengt in der Luft wie ein Kaenguru-Baby, das vor statt im Bauch der Mutter getragen wird. Mit Armen und Beinen, die nutzlos in der Gegend herumhaengen. Und im festen Glauben, dass dieser Haltegriff nicht lange gut gehen kann und man unweigerlich auf dem Strand unterhalb zerschellen wird.
Tut man aber wundersamerweise nicht. Oder nicht ganz so wundersamerweise, wenn man kurz nach oben guckt und das Pfflloouuuhp in Gestalt des Schirmes ueber sich sieht. Dann ist alles wunderbar. Ein paar Kurven und einige Oohs und Jaahs spaeter steht man auf dem Boden. Der allerdings war unterhalb der Knie auch schon mal fester.

Ein Versuch ueber die Weite.

Die haben schon Orte hier im Westen Australiens. Ein paar. Staedte nur ganz wenige. Dafuer viel roten und weissen Sand, Meer, Straueche. Und Weite. Ganz viel Weite. Dagegen sind die Flaechen Ostfrieslands kleine Sandkisten. Da draussen ist so viel Weite, dass man ganz viel Luft in den Kopf kriegt. So viel Luft, dass man am Ende nicht mehr richtig sagen kann, wie weit das nun ist.
So weit wie die andere Seite der Badewanne fuer die ertrinkende Spinne? So weit wie die naechste Gehaltserhoehung in der Rezession? So weit, dass man auf ueber 600 Kilometern Strasse nur 3 Autos auf der eigenen Fahrspur trifft? Ja, aber noch anders. Befreiender. Besser.

Vielleicht wird’s mit einer Leseuebung klarer. Hier daher das erste Shangri-La Posting zum Mitmachen. Ohne Garantie, aber richtig schaden kann’s nicht. Also los, mitmachen.
Bitte Luft holen da draussen am Bildschirm vor dem Weiterlesen. Richtig Luft holen und anhalten. Nicht weiteratmen. Zumindest so lange, bis das wieder erlaubt wird. Fertig?
Und jetzt lesen. Immer weiterlesen. Schneller lesen. So schnell lesen, wie es eben geht. Bis die Buchstaben vor den Augen kleine Taenze machen, weil sie vor Geschwindigkeit durcheinander gewirbelt werden. Und wenn die Buchstaben in der Gegend herumfliegen, auch den Kopf ein bisschen fliegen lassen. Der ist doch nicht ausgelastet. Da passt noch was rein. Nicht atmen uebrigens. Was gibt’s wohl heute zum Abendessen? Alles eingekauft, oder muss ich noch mal los? Wann hab’ ich die Blumen das letzte mal gegossen? Muss ich jetzt schon wieder die Steuererklaerung machen oder hab ich noch ein bisschen? Was kommt dieses Jahr wohl raus? Sollte ich eigentlich doch mal was wegen der Altersversorgung unternehmen? Ist der Herd wirklich aus? Passt mir das Leben, das ich gerade lebe oder sollte ich doch noch mal was anderes machen? Muss ja nicht grad Toepferkurs in der Toskana sein. Ob ich grade bloede aussehe, mit zusammengepressten Lippen vor dem Bildschirm? Lieber mal eine entspannte Haltung annehmen, damit keiner doof guckt. Wann krieg’ ich eigentlich mal wieder Urlaub? Klamotten hab’ ich auch schon lange keine mehr gekauft. Wird Zeit, sich mal wieder was zu goennen. Ob heute Abend jemand Lust hat, mit mir auszugehen? Und bloss nicht atmen. Atmen schadet der Konzentration. Und ich muss konzentriert sein. Konzentriert auf mich, auf das was um mich herum ist. Darauf achten, was ich mache. Was fuer eine Figur ich mache, bei dem was ich mache. Ob ich beachtet werde und geachtet werde, bei dem was ich mache. Noch Luft? Dann einfach drei Zeilen nach oben springen und weiter lesen, bis die Ruebe rot ist. Und dann.

Ausatmen. Tief ausatmen. Richtig durchschnaufen. So sehr, das alle Gedanken mit dem Luftstrom aus dem Koerper weichen und die hoch gezogenen Schultern herunterfallen.
Und was sich dann einstellt. Das ist die Weite Westaustraliens.