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Hotel Popiang.

Prostitution und Bestechung sind Dinge, die jeder Mensch mit halbwegs gesundem Verstand mit Thailand assoziiert. Und beides kann man hervorragend im Hotel Popiang (Bangkok, Soi Rambutri, Chakapong Road, Tel. 66-2-282-2628) studieren.
Waehrend andere Etablissements schliessen, laesst das Hotel Popiang die Pforten seiner Bar einfach auf. Die ganze Nacht.

Und Prostitution auf Bangkoks Strassen geht ungefaehr so. Maenner halten einem kleine Kaertchen mit Bildern von Frauen unter die Nase. Ganz heimlich natuerlich. Auf den Karten steht irgendwas. Manchmal das, was diese Frauen dann so mit einem anstellen. So kommt man an eine Frau. Oder sie liest einen in einer Bar auf. Oder spaeter und vehemtenter auf der Strasse. Jedenfalls hat man dann diese Frau.
Und geht endlos mit ihr spazieren. Die Strasse rauf, die Strasse runter. Kehrt ein im Hotel Popiang fuer ein Bier. Und geht wieder spazieren. Die ganze Nacht. Manche auch den ganzen Tag. Kommen zurueck ins Hotel Popiang und trinken noch was. Einige fallen irgendwann betrunken vom Stuhl. Die Maenner, natuerlich. Bevor sie noch eine Runde gehen.
Ob sonst noch was geht bei der Prostitution in Thailand ist nicht ganz klar. Aber es braucht auf alle Faelle gutes Schuhwerk dafuer.

Die Bestechung hingegen ist einfacher zu durchschauen. Sie beginnt damit, dass ein fluchender Thailaender von einem Polizisten am Hosenbund gefuehrt und von sechs weiteren begleitet des Nachts am Hotel Popiang vorbeigeleitet wird. Vor der offenen Hotelbar werden die Flueche heftiger. Die Polizisten beschliessen, den Mann doch gehen zu lassen und statt dessen der Hotelbar einen Besuch abzustatten.
Schnell werden alle Tische, die noch auf der Strasse stehen, weggeraeumt. Die Bitte erfolgt, die Bierflaschen doch kurz unter den Tisch zu stellen. Dann wird viel rein und rausgelaufen und geredet. Schliesslich kommt die Mutter des Hauses heraus, bekommt von ihrem Sohn ein Buendel Bargeld uebberreicht und braust auf dem Ruecksitz eines Polizeimotorrads davon. Die Polizisten gehen, nachdem die Pseudorazzia vorbei ist. Nur einer bleibt, um sich noch schnell ein Bier und etwas zu Essen geben zu lassen. Was vermutlich auch der Mutter auf dem Motorrad hilft.

3 day 2 nights.

‘how much did you pay for this?’ ist die erste, haeufigste und wichtigste Frage auf dieser Art Trip. Gestellt in schlecht gefederten Minibussen. Ueber lauwarmem Mittagessen. Vor der Sehenswuerdigkeit, die komischerweise doch nicht im Preis inbegriffen ist.
OK, vorher kommt, von zahllosen hilfsbereiten, immer nur das eine falsche s verschluckenden thailaendischen Frauenmuendern geaeussert: ‘you want 2 day 1 nights or 3 day 2 nights?’

Wir wollten 3 day 2 nights. Den Klassiker unter den Kurzreisen.
Und bei Frage 1 haben wir uns ausnahmweise gut geschlagen. ‘eleven fifty. how ’bout you?’ ‘ah f*** [der antwortende ist englaender. daher kann der wortlaut leider nicht im original wiedergegeben werden.], i knew they made me pay too much. fourteen hundred, sh**.’

Uns war das eine und gleiche 3 day 2 nights zuvor fuer zwoelfundert, dreizehnhundert, vierzehnhundert und fuenfzehnhundert Baht angeboten worden. Gekauft haben wir’s dann da, wo die das s verschluckende Dame behauptete, es gaebe gar kein 3 day 2 nights. Immer ein gutes Zeichen.

Der Hauptgrund fuer 3 day 2 nights statt nur 2 day 1 nights ist die Gelegenheit, die Darbietungen thailaendischen Organisationstalents voll auskosten zu koennen. Zwischen Abholung und Abfahrt drei Mal den Bus wechseln, um am Ende doch wieder mit den gleichen Menschen in einem anderen Gefaehrt zu sitzen. Farbige kleine Aufkleber ans T-Shirt bekommen, die 3 day von 2 day und auch 1 day unterscheiden sollen, aber fuer die Zusammensetzung der Gruppen in der Folge ohne Bedeutung sind. Nach Laune sich nicht zu erkennen gebender Menschen recht wahllos auf Unterkuenfte verteilt werden, die von muffiger Matratze auf dem Boden und Gemeinschaftsbad bis zum klimatisierten Zimmer mit Dusche und Balkon reichen (letzteres fuer uns, trotz eleven fifty). Pro Tag weitere drei Autos und zwei Tourguides verschleissen. Und spaetestens am Mittag des zweiten Tages Dinge zum Angucken angeboten bekommen, die man schon am ersten Tag gesehen hat.
Das Reiseziel ist dabei eigentlich egal. Hauptsache unterwegs.

Fuer Neugierige: Uns hat 3 day 2 nights in den Norden von Bangkok nach Kanchanaburi und Umgebung getragen. River Kwai. Der Fluss, die Bruecke, die Eisenbahn.
Und auch das Museum, die vielen Graeber, eine von Hand in den Berg getriebene Schlucht. Schwarze Hoehlen, Wasserfaelle, eine Unterkunft direkt auf dem Fluss. Eine Bekanntschaft aus Kasachstan (’but what borat says is not true.’), deren Name Queen of Flowers bedeutet, weil alle Namen in Kasachstan eine Bedeutung haben. Viel Bier, eine Fahrt auf dem Bambusfloss, ein Ritt auf dem Elefant, ein Besuch bei Tigern, die so unter Drogen stehen, dass alle Welt in einer Prozession wie bei der Begruessung eines Staatsbesuchs sie streicheln darf. Oder muss.
Schon schoen.