Neue Spezies entdeckt.

Es ist geschehen. Wir sind ohne Auto. Die uns umgebende Geschwindigkeit hat sich damit dramatisch verringert. Einige Entdeckungsmoeglichkeiten sind uns genommen. Neue Formen der Beschaeftigung treten an ihre Stelle. Ausgehen zum Beispiel. Lange Naechte in Vergnuegungsetablissements.
Bereits bei den ersten Versuchen in dieser ungewohnten Betaetigung haben wir grosse Erfolge erzielt. Wir sind nicht zusammengeschlagen worden, obwohl wir aus Deutschland sind - ‘i hate germans. not you personally, i like you, ’cause we’re talking now, and i’m not going to hit you. but i hate germans.’
Und wir haben eine neue Spezies entdeckt: Den nordaustralischen Kampftaenzer.

Nicht zu verwechseln mit der brasilianischen Variante ist der nordaustralische Kampftaenzer eine recht junge evolutionaere Kombination der Gattungen Kampfsportler und Kampftrinker. Als solcher ist er von breiter Statur, traegt eine beindruckende Nackenmuskulatur und ist naturgegeben betrunken. Seine Eigenart wird bei einsetzender Musik deutlich. Waehrend die Gesichtszuege des Kampftaenzers zu jenen eines alle Mutterliebe vergessenden Bullterriers gefrieren, setzt sich der Koerper in Bewegung. Die motorischen Ablaeufe lassen dabei darauf schliessen, dass der Kampftaenzer durch Betrachten zu vieler Justin Timberlake Videos der eigenen Koerpersprache verlustig gegangen ist und statt dessen ein Tanzflaechenleben als Choreografie-Sklave fuehrt, auf das neben Herrn Timberlake allenfalls noch die Scissor Sisters Einfluss haben.
Das Betrachten des nordaustralischen Kampftaenzers ist nicht ohne Gefahr. Er ist im nuechternen Zustand kaum zu ertragen und regt daher zum Konsum grosser Mengen Alkohols an. Spaetfolgen wie die Neigung, mit dem Selbststudium diverser Kampfsportarten zu beginnen, koennen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden.

Am Wegesrand, Teil 4.

Keine Ahnung ob wir selbst daran geglaubt haben. Aber wir sind oben angekommen. Oben, in Darwin. Trotz der mordluesternen Einheimischen und der uns hinfortschwemmen sollenden Fluten. Wie konnte das passieren?

Broome -> Broome -> Broome -> Broome; Verkehrsmittel: Noch immer der Wagen.
Ganz klar ist das nicht mehr. Aber ungefaehr so oft sind wir umgezogen in Broome. Vom Last Resort in den Kimberley Klub ins Cable Beach und zurueck in den Kimberley Klub. Oder so aehnlich. Immer auf der Suche nach einem Doppelzimmer. Weil, ist alles voll. Es ist zwar strassenfegende Nebensaison, aber alle guenstigen Unterkuenfte sind von Arbeitskraeften belegt. Wo die Reisenden hin sollen, wenn Saison ist, bleibt unklar. Sonst Broome, die westaustralische Reisendenkapitale? Wir haben Auszeit gemacht. Und das geht schon ganz gut. Vor der Hitze des Tages kann man sich im Shopping-Center oder dem Pool verstecken. Es gibt - eine Seltenheit in diesen Landstrichen - echte Cafes. Und des Abends wartet mit den Sun Pictures ein charmant gealtertes Open Air Kino mit Strandbestuhlung.

Broome -> Derby
Derby war mal, Broome ist heute. In Derby sind die Strassen wohl ganzjaehrig leer und die Badezimmer der Hotels werden nur halbjaehrlich gereinigt. Aber, sie haben Tiedenhub in Derby. Ueber 11 Meter, sagen sie. Ganz schoen viel von oben nach unten.

Derby -> Halls Creek
Hinter Derby geht’s ab ins Landesinnere. Hier werden die Temperaturen noch etwas hoeher, das Land mal etwas karger, mal huegeliger, mal roter, mal schoener. Und in der Mitte von allem kann man dann in Halls Creek uebernachten. Viel Ort ist nicht. Aber man kann herumlaufen und staubig schoene Dinge sehen. Die spannendste Beschaeftigung allerdings ist leider verboten.

Halls Creek -> Kununurra
In Kununurra muss man schon allein des Namens wegen halten. Braucht ja so lange, bis man das auf dem Strassenschild gelesen hat. Ausserdem haben sie in Kununurra etwas, das sie Mini Bungle Bungles nennen. So was wie die grossen echten, die in einem Nationalpark in der Naehe stehen. Aber weil alles grosse echte in diesen Gegenden wegen Regenzeit geschlossen ist, haben wir uns eben die kleine Faelschung angeguckt. Und die Stadt gleich mit. Angenehm.

Kununurra -> Katherine
Kurz hinter Kununurra ist die Grenze zwischen Western Australia und dem Northern Territory. Dahinter werden die Strassen schmaler und kurviger. Deshalb darf man auch schneller fahren. Die Landschaft wird dazu noch etwas wilder. So wie Menschen es ihrem Ruf nach auch sein sollen. In Katherine Erholung bei einem 2-Tages-Stopp im Beagle Motor Inn. Und Besuch der Katherine Gorge.

Katherine -> Jabiru
Jabiru ist mitten im Kakadu National Park. Richtig viel kann man hier in der Regenzeit mit einem Zweirad getriebenen Fahrzeug nicht ausrichten. Aber es reicht. Es reicht fuer weite Blicke ueber Feuchtwiesen, Aussichten auf Felsen und von ihnen herunter. Und fuer an den Waenden taenzelnde Malereien.

Jabiru -> Darwin
Und. Schon da. Mit bummelig 7.000 Kilometern mehr auf dem Zaehler des Wagens ist der Zielort fuer ein Mal die Westkueste hoch und dann quer rueber bis zur Mitte erreicht. Es bleiben nur noch wenige Tage in Gesellschaft des mittlerweile nicht mehr sehr wohlriechenden Fords. Dann muessen wir uns wieder mit uns selbst beschaeftigen.